Jugendstil in Karlsruhe

In Karlsruhe gibt es zahlreiche Jugendstilbauten, deren ornamentale Fassaden und geschwungene Linien das Stadtbild bereichern.

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Als bedeutende Industriestadt im Südwesten herrscht auch in Karlsruhe um die Jahrhundertwende reges Bautreiben. Mit Architekten wie Hermann Billing oder Curjel & Moser ist Karlsruhe in dieser Zeit ein beachtetes Zentrum des Jugendstils.

Dabei verwenden die Karlsruher Architekten oftmals lokal vorhandene Materialien wie Sandstein - Die Hofapotheke ist hier ein besonders Beispiel. Auch gibt es in Karlsruhe Wohngebäude mit einem bunten Stilmix zwischen Jugendstil, neo-gotischen und neo-barocken Elementen, die besonders die Sophienstraße prägen.

Durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und den Wiederaufbau mit oft einfacheren Mitteln sind heute Jugendstil-Ensembles wie die Baischstraße nur noch in Teilen erhalten.

Der Karlsruher Jugendstil zeichnet sich durch seine reduzierte Formensprache aus und unterscheidet sich so deutlich von bekannten Jugendstil-Dekorationen aus Wien, Brüssel oder Nancy.

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Persönlichkeiten des 
Jugendstils in Karlsruhe

Portrait Hermann Billing

Hermann Billing

Der Architekt Hermann Billing gilt neben Curjel & Moser als einer der bedeutendsten Jugendstil-Architekten in Südwestdeutschland.

Sein Frühwerk ist geprägt von einer kreativen Auseinandersetzung mit dem Historismus. Billing ließ sich von verschiedensten Strömungen der europäischen Avantgarden beeinflussen und nutzte bewusst unterschiedlichste Stilelemente, um eine malerische Gesamtwirkung zu erzielen.
Als Sohn des Maurers und späteren Bauunternehmers Billing & Zoller wächst Hermann Billing in Karlsruhe auf und besucht hier von 1883 bis 1884 die Kunstgewerbeschule. Nach seinem Militärdienst entscheidet er sich für den Beruf des Architekten und wechselt 1886–1888 an die Technische Hochschule in Karlsruhe. Von 1888 bis 1892 arbeitet er in Architekturbüros in Berlin und Aachen. Ab 1892 führt er sein eigenes Architekturbüro in Karlsruhe und arbeitet temporär gemeinsam mit Josef Mallebrein, Leopold Stober und Wilhelm Vittali.
Neben seiner Bautätigkeit wirkt Billing auch als Lehrer: ab 1903 als Professor für Architekturzeichnen und Perspektive an der Kunstakademie Karlsruhe. 1919 mit der Neuorganisation von Akademie und Kunstgewerbeschule betraut, 1920–1923 erster Direktor der neu gegründeten Badischen Landeskunstschule. 1923–1937 lehrt Billing an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Nach dem Tod von Friedrich Ratzel 1907 wird Billing zum ordentlicher Professor für Baukonstruktion und Entwerfen von Wohn- und Geschäftshäusern berufen. Der Erste Weltkrieg, an dem Billing als Offizier teilnimmt, stellt einen Einschnitt in seinem architektonischen Schaffen dar. Nur noch wenige Bauausführungen, zumeist in Karlsruhe, folgen.

Weitere Informationen findest Du auch im Karlsruher Stadtlexikon.

Zum Eintrag im Stadtlexikon
Ausstellungshalle auf dem Festplatz, um 1916

Robert Curjel & Karl Moser

Das Archi­tek­ten­duo gründete 1888 in Karlsruhe, Akademiestraße 13, ihr überaus produk­tives und innovatives Büro. Curjel & Moser trugen wie Hermann Billing maßgeblich dazu bei, den Ruf von Karlsruhe als einem Zentrum neuer Tendenzen im Bauen vor dem Ersten Weltkrieg bekannt zu machen.
Das Marken­zei­chen des Büros war die Verbindung vom Histo­ris­mus mit aktuellen inter­na­tio­nalen Archi­tek­tur­strö­mun­gen, wie dem Jugendstil. Mit über 400 realisierten und projektierten Bauten gehörten Curjel & Moser zu den Auftrag-stärksten Architekturbüros um die Jahrhundertwende

In Karlsruhe zeugen noch heute zwei evangelische Kirchen – die Christuskirche am Mühlburger Tor und die Lutherkirche in der Oststadt -, das Bankhaus Veit Löw Homburger, das Warenhaus Tietz, das Dienstgebäude des Evangelischen Oberkirchenrats, das Konzerthaus am Festplatz sowie eine Vielzahl an Geschäfts- und Privathäusern sowie Villen von ihrem vielfältigen Schaffen. Im Sinne der Gestaltung eines architektonischen Gesamtkunstwerks arbeiteten sie vielfach mit herausragenden Künstlern zusammen. 

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs löste sich das Büro 1915 auf. Beide Architekten gingen ihre eigenen Wege: Robert Curjel blieb in Karlsruhe, zog sich jedoch aus dem Baugewerbe zurück. Karl Moser folgte dem Ruf an die ETH in Zürich.

Weitere Informationen findest Du auch im Karlsruher Stadtlexikon.

Zum Eintrag im Stadtlexikon