Träume, Wunder, Abenteuer – Sehnsuchtsorte in der Reiseliteratur
Am Dienstag, dem 17. März 2026, eröffnet die Badische Landesbibliothek um 19 Uhr ihre neue Ausstellung „Träume, Wunder, Abenteuer – Sehnsuchtsorte in der Reiseliteratur“.
Die Ausstellung fragt, wie Reisende im Lauf der Jahrhunderte das Erlebte wahrgenommen und verarbeitet haben. Denn immer sind mit Reisen auch Erwartungen verknüpft, die erfüllt, enttäuscht oder unterwegs verändert werden. Vier beliebte Reiseziele, mit denen ganz bestimmte Vorstellungen verbunden sind, werden präsentiert: das Heilige Land als Ziel religiöser Sehnsucht, Italien als kulturelles Traumziel, Island als Insel der Naturwunder und Südamerika als unbekannte Neue Welt. Anhand oft reich bebilderter Berichte spürt die Ausstellung dem Erleben und Erleb-ten früherer Reisender nach und lässt sie zu Wort kommen. So ergibt sich ein vielfältiger Blick auf Schicksale, Jahrhunderte und Kontinente: Wie bei einer Zeitreise eröffnen sich Aspekte heute erschlossener Weltgegenden, über die wir nur noch staunen können.
Natürlich prägt der eigene kulturelle Hintergrund die Wahrnehmung des Fremden ebenso wie die Umstände einer Reise. Es liegen Welten zwischen Michael Heberer aus Bretten, der im 16. Jahrhundert das Heilige Land als osmanischer Galeerensklave kennenlernt, und dem französischen Touristen Paul de Musset, der dreihundert Jahre später florentinisches Speiseeis als Wun-der an Farben und Geschmacksrichtungen feiert. Island, seit der Frühen Neuzeit als karg und lebensfeindlich dargestellt, wird mit seinen Lavafeldern, Geysiren und Polarlichtern im 19. Jahrhundert plötzlich zum Naturwunder, aber auch zum Schauplatz der nordisch-germanischen Sage. Südamerika hingegen ist vor allem das Ziel von Konquistadoren und Missionaren, bis es im 19. Jahrhundert ebenfalls für Naturreisen entdeckt wird: Der deutsche Landsknecht Hans Staden, zwischen 1548 und 1555 in portugiesischen Diensten an der Eroberung Brasiliens beteiligt, berichtet, er sei dort von den Wilden Nacketen, Grimmigen Menschfresser-Leuthen verschleppt worden und nur knapp dem Tod durch Kannibalismus entgangen. Das wurde dann zum vermeintlich verbürgten Wissen Europas über die Neue Welt.
Die Ausstellung fügt die unterschiedlichen Reiseberichte zu einem Mosaik aus Sehnsucht, Nervenkitzel und Faszination zusammen.