Nachtwächterrundgang

durch Durlach

Geschichte lesen

von Stephanie

Am schönen Freitagabend im November nahm ich am Nachtwächterrundgang durch das schöne Durlach teil. Durlach ist übrigens der älteste Stadtteil von Karlsruhe.

Pünktlich um 20:00 Uhr wurden wir vor dem Durlacher Rathaus vom Nachtwächter mit Horn und Original-Kostüm begrüßt. Er sang mit dem Horn einen Teil des alten Nachtwächterliedes:

"Hört Ihr Leut’ und lasst Euch sagen: Uns’re Glock’ hat acht geschlagen."

Im Mittelalter gab es außer der Turmuhr keine Uhr. Deshalb gingen Nachtwächter durch die Straßen und riefen die Uhrzeiten aus. So lange die Bürger den Nachtwächter hörten, fühlten sie sich sicher und konnten auch beruhigt schlafen. Er achtete auf Sie und warnte zum Beispiel vor Feuer oder Feinden.

Zwei junge Männer durften stolz die Laterne und die Hellebarde des Nachtwächters tragen. Die Hellebarde ist übrigens eine Mischform von Hieb-und Stichwaffe.

Wir schauten hoch auf den Rathausbalkon, auf dem Karle mit der Dasch ein Denkmal gesetzt wurde. Als Markgraf Karl II. hatte er im 16. Jahrhundert die badische Residenz von Pforzheim nach Durlach verlegt. Man sagt er hatte immer eine Tasche, in Baden auch Dasch genannt, dabei, um die Arbeiter nach ihrer Arbeit sofort mit Bargeld zu entlohnen

Daraufhin ging es los durch enge und dunkle Gassen bis hin zum Baderhaus. Früher hatten die Leute noch keine eigenen Badezimmer in ihren Häusern. Aus diesem Grund gingen sie in ein Baderhaus. Dort gab es riesige Badefässer, in denen bis zu 19 Personen Platz nehmen konnten. Allerdings war die Ansteckungsgefahr von gefährlichen Krankheiten hier sehr hoch. Der Spruch „das Kind mit dem Bade ausschütten“ kommt aus dieser Zeit, denn Säuglinge und Kinder wurden zuletzt gebadet. Hier wurde mir erst richtig bewusst, wie gut wir es heute haben.

Nachtwächter mit Hellebard

Wir liefen weiter an vielen alten und wunderschönen Häuser vorbei. Übrigens wurden in den Steinen über den Haustüren oft das Baujahr eingraviert. Vielleicht sollte ich mal darauf, wenn ich in Zukunft wieder durch Durlachs Straßen laufe. Ein Haus hat sogar den großen Brand von 1689 überlebt. 

1698 wurde eine Bauordnung erlassen, die eine einheitliche Bauweise vorschrieb. Viele Bürger widersetzten sich dieser Anordnung und wurden damals hohe Strafen verhängt. Im Nachhinein bin ich froh, dass sich die Bürger dieser Anordnung widersetzten, denn sonst hätten wir heute das schöne individuelle Stadtbild Durlachs nicht mehr.

Danach ging es weiter, vorbei am alten Schlachthaus und durch das sogenannte Canapéegässchen. Der Name kommt daher, dass die Bürger damals ihre Abfälle vor die Haustür gelegt haben. In der fruchtbaren Erde wurden dann auch Blumen gepflanzt, eine Bank vor die Tür gesetzt und schon war das Canapée fertig.

Vorbei am ehemaligen Bienleinstor, dem Ochsentor und den ehemaligen Stadttoren liefen wir immer wieder an wunderschönen Häusern vorbei. Heute befindet sich im ehemaligen „Löwenbräukeller“ ein Kindergarten, der Löwenkindergarten. Hier fühlen sich die kleinen „Löwen“ sicher wohl.

Historisches Gebäude Karlsruhe-Durlach

Der Nachtwächter führte uns am Üxküllschen Palais vorbei. Leider kam kein Bewohner raus, um uns einen kurzen Blick ins Treppenhaus zu schenken. Die aus einem Baumstamm geschlagenen Treppen stammen noch aus der damaligen Zeit.

Wir liefen weiter, vorbei an der katholischen Kirche bis zum Basler Tor-Turm. Zusammen mit dem Basler Tor ist er der letzte noch erhaltene Turm über den Durlacher Stadtmauer-Toren. Leider ist der Turm nur am Tag des offenen Denkmals im September geöffnet. Das nächste Mal werde ich dem Inneren des Turms auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Tipp: Der Basler-Tor-Turm ist abends herrlich angestrahlt.

Das Üxküllsche Palais

Basler Tor-Turm in Durlach

Zurück in die Zeit des 17. Und 18. Jahrhunderts versetzt, wurden wir auf einige Grabdenkmäler des alten Friedhofes aufmerksam gemacht. Karl-Wilhelm, unser Stadtgründer, hatte viele uneheliche Nachfahren. Wie zum Beispiel seine Tochter Caroline, die leider nur 3 Monate alt geworden ist. Auch Sie wurde hier beerdigt.

An der evangelischen Kirche angekommen, war der Nachtwächterrundgang leider auch schon zu Ende..

Wir können euch Durlach mit seinen vielen engen Gassen nur empfehlen. Von alten Häusern, Fachwerkgemäuern über nette Restaurants bis zum mittelalterlichen Weihnachtsmarkt. Der Nachtwächter hat uns auf originale und originelle Art und Weise Durlach und ihre Geschichte nähergebracht. Alle Teilnehmer waren sehr begeistert!☺

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