Spaziergang mit dem Waschweib Mimi

Geschichte lesen

von Susanne

Heute nehme ich um 20.30 Uhr an einer Kostümführung mit abendlichem Spaziergang teil.

Ich bin gespannt, eine ganz „andere“ Stadtführung zu erleben. Heute wird das Waschweib Mimi uns Einblicke in die Geschichte Karlsruhes geben.

Pünktlich um 20.30 Uhr treffe ich am Treffpunkt vor der evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe ein und werde sofort sehr herzlich von dem Waschweib Mimi, dem Kutscher Anton und den anderen Teilnehmern der Stadtführung begrüßt.

Mimi stellt sich vor

Die heutige Gruppe besteht aus 18 Teilnehmenden. Schnell komme ich ins Gespräch mit den einzelnen Anwesenden und erfahre, dass diese aus Karlsruhe, der Karlsruher Region und sogar aus Berlin und Offenburg kommen.

Bevor wir mit unserem Stadtrundgang starten, stellt sich Mimi als Waschweib und ihre Begleitung Alfred als Kutscher des Markgrafen vor.

Als Waschweib wird uns Mimi natürlich geschichtlich Korrektes, als auch den interessanten Klatsch und Tratsch der Bediensteten dieser Zeit und den beteiligten Personen erzählen – „ich bin gespannt“, denke ich mir!

Mimi trägt ein sehr schickes Häubchen, wie damals üblich. Gekleidet ist Mimi mit einer rüschenbesetzten weißen Leinenbluse, einem roten Fichu (Schultertuch), einem schwarzen Rock, unter dem sie ein weißes spitzenbesetztes Beinkleid aus Leinen trägt, und ihre Füße stecken in weißen grobgestrickten Strümpfen. Der Kutscher Anton trägt einen schwarzen Anzug mit Zylinder.

Mimi stellt sich vor

Wer bin ich?

Damit auch wir komplett in die Geschichte von Karlsruhe eintauchen können, verteilt das Waschweib kleine Schildchen mit Lanyards. Auf diesen Schildchen sind auf der Vorderseite kleine Bildchen mit Namen und auf der Rückseite eine Kurzbeschreibung der jeweiligen Person zu finden. Ab diesem Moment werden wir jeweils mit dem entsprechenden zugeteilten Namen der historischen Person angesprochen. Anwesend sind u.a. der Markgraf Karl Wilhelm, Magdalena Wilhelmine, Friedrich Erbprinz von Baden, Anna Charlotte Amalie und Karl Friedrich. Ich persönlich tauche als Luise Karoline in die Geschichte ein.

Wer bin ich?

Die Führung beginnt

Zuerst stellt uns das Waschweib den Markgraf Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach vor. Dieser lebte in der Karlsburg in Durlach und frönte seiner Leidenschaft dem Jagen. Hiermit war sowohl das Jagen nach Wild als auch nach weiblichen Schönheiten im Hardtwald gemeint. Verheiratet war Karl Wilhelm mit Magdalena Wilhelm zu Württemberg. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor.

„Kein Wunder“, mutmaßt Mimi, „musste sich Karl Wilhelm öfters im Hardtwald ausruhen“. Und so förderten die Streitigkeiten mit den Durlachern, die Enge der Stadt und die Nähe zu seiner ungeliebten Gattin den Entschluss, im Hardtwald eine neue Residenz zu bauen.

Laut dem Waschweib war Karl Wilhelm für sein ausschweifendes Leben bekannt und so erzählte sie uns von den vielen kleinen Karls und Karlines. Das erste Geheimnis, das Mimi uns zuflüsterte war, dass Karl Wilhelm täglich mit den Schönheiten Karten spielte. Und wer das höchste Blatt hatte, durfte den Nachmittag bzw. die Nacht mit ihm verbringen.

Nun kam Friedrich Weinbrenner ins Spiel. Das Waschweib und er zeigten uns einige seiner Bauwerke: zuerst die evangelische Stadtkirche, dann die Pyramide (vormals Konkordienkirche), später das Hoftheater, St. Stephan u.v.m. In herrlichem Badisch stellte uns Mimi Friedrich Weinbrenner als Planer des klassizistischen Karlsruhes vor. Auch plauderte sie über die Beisetzung von Karl Wilhelm in der Gruft und die Entwicklung des Marktplatzes.

Nun ging es an der Pyramide vorbei und Mimi quatschte mit uns über den Seismographen, der an der Pyramide angebracht ist, um die letzte Ruhe unseres Stadtgründers zu sichern. Wir wagten amüsante Theorien (z.B. „explosionsartiger Vulkanausbruch" oder ,,die Mumie lebt") über die Vorstellung, was passieren würde, wenn dieser Seismograph „Alarm" schlagen würde. Nach abenteuerlichen Thesen unsererseits schlenderten wir zum Schlossvorplatz.

Mimi plaudert aus dem Nähkästchen

Über Friedrich Erbprinz von Baden berichtete uns Mimi aufgeregt, dass er früh an einer „Brustkrankheit“ starb. „Und seine Gattin Anna Charlotte Amalie sei geisteskrank“, flüsterte uns das Waschweib hinter hervorgehaltener Hand zu. Weiter tratschte es: „Die Söhne Karl Friedrich und Wilhelm Ludwig werden nun von der sittenstrengen Großmutter erzogen und Anna Charlotte wird von der Außenwelt abgeschirmt“. Mimi klatschte über den losen Lebenswandel und die amourösen Abenteuer des Karl Friedrich. Weiter verriet sie uns: „Seinen Lehrer den Herrn von Üxküll-Gyllenband kann Karl Friedrich nicht leiden und muss viel erdulden. Aber die spätere Ehe mit Karoline Luise ist arrangiert, doch irgendwie haben die Beiden sich doch sehr lieb gewonnen und gscheit ist Karoline Luise auch noch. Die Sammlungen von Karoline Luise sind der heutige Grundstock der Staatlichen Kunsthalle und dem Staatlichen Museum für Naturkunde.“

Mimi plaudert aus dem Nähkästchen

Zweiter Teil der Führung

Im Botanischen Garten erklärte uns Mimi den Begriff „Heirat zur linken Hand“ an dem Beispiel von Luise Karoline von Hochberg, die zuerst Hofdame und später zweite Gattin von Karl Friedrich war. Ebenso flüsterte sie uns geheimnisvoll zu: „Luise Karoline wird verdächtigt, sie habe den erstgeborenen Sohn von Großherzog Karl und Großherzog Stéphanie nach dessen Geburt durch ein totes Kind ersetzt um ihren eigenen Söhnen die Thronfolge zu sichern. Man behauptet Kaspar Hauser sei ebendieser badische „Kuckucks-Prinz“.“ Mimi ließ uns auch an der großen Liebe des kränklichen Karl Ludwig mit Amalie und ihren acht Kindern teilhaben. Und so stellte das Waschweib der Zarin Luise ihre Schwestern, z.B. Friedericke Dorothea und Friedericke Karoline, und Brüdern vor.

So verging die Zeit wie im Fluge und es wurde bereits dunkel. Aber unser fürsorglicher Kutscher Anton war mit Laterne und Licht vorbereitet - Glück gehabt!

Ende Der Führung

So ging es über die Hans-Thoma-Straße, den Ludwigsplatz, die Erbprinzenstraße, den Friedrichsplatz und die Verfassungssäule wieder zu unserem Anfangs- bzw. Endpunkt, dem Marktplatz, zurück.  „Schade – schon fertig!“ dachte ich.

Ludwigsplatz

Bis zum nächsten Mal auf einer weiteren Führung!

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