Unterwegs mit dem Goldwäscher

Michael Leopold führt zu den Karlsruher Goldlagerstätten

Ab auf Expedition

Wir waren unterwegs in den Rheinauen mit Gruppenführer Michael Leopold, der Goldsucher-Kurse mit Fundgarantie im Karlsruher Stadtgebiet anbietet. Interessiert und hochmotiviert haben wir ihn begleitet und gecheckt, was wirklich dahintersteckt und ob es tatsächlich so einfach ist, wie angepriesen.

Ankunft im Dickicht

„Treffpunkt Endhaltestelle Daxlanden Rappenwörth.“ An Bord der Straßenbahnlinie 6 geht es los vom Entenfang ins Karlsruher Outback. Der Zug wird immer menschenleerer, die Aussicht durch die Fenster durch immer dichter werdendes Blattwerk bestimmt und auf der die Gleise begleitenden Straße fährt nur ein einzelner Geländewagen am Zug vorbei. Mir wird klar: Wenn der Stadtmensch in einen typisch deutschen Wirtschaftswald gerät, ist das definitiv so, als würde er gerade im Jahr 1800 ein neues Tal in Montana erkunden.

An der Endhaltestelle angekommen steigen auch die letzten Gäste mit aus und begeben sich ins Rheinstrandbad. Mein Ziel lag allerdings auf dem Parkplatz: Herr Leopold hatte bereits aufgebaut und wartete mit voller Montur.

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Ein gefragtes Original im Goldwaschen

Nach unserem kurzen verbalen Schulterschluss steht schnell fest: Hier haben sich zwei gefunden. Der studierte Bergbauingenieur, Personalentwickler und Bogenschieß-Dozent und ich – Praktikant – haben erstaunlich viele Schnittmengen in unseren persönlichen Interessen und Hobbies aufzuweisen.

Inspirierend: Wer sein Hobby zum Beruf macht, muss nicht mehr arbeiten. Die Leidenschaft für die Goldsuche hat er in den 80er Jahren, als er am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe beschäftigt war, für sich entdeckt. Durch seine Vorbildung und Erfahrung gilt er als echte Karlsruher Koryphäe in Sachen Goldwäsche, denkt jedoch auch in der Gesamtheit mit und arbeitet stets gemäß seiner Devise: „Einen guten Goldwäscher erkennt man daran, dass er seinen Suchort so verlässt, wie er ihn vorgefunden hat.“

Bei der Einweisung beschrieb er den Ursprung des Rheingoldes und den Einfluss der Rheinbegradigung auf die Anreicherung in den Sekundärlagerstätten. Erschreckend klang die detaillierte Erläuterung, wie mithilfe von Quecksilber und bloßen Händen das Gold aus dem Sand „gewaschen“ und das flüssige Metall anschließend filtriert wurde. Ausführliche Details würden an dieser Stelle zu weit führen, die erfährt man am besten bei einer eigenen Tour – welche man indes sogar über unsere Seite unter den Erlebnispaketen direkt buchen kann. Seine Gäste kommen bereits von weit her, von Rostock bis nach Österreich waren schon welche dabei.

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Von links nach rechts:

  1. Typischer Sand aus der Rheinebene
  2. Konzentrierte, dunkle und schwere Feinfraktion
  3. Goldflitter, wie man sie am Rhein findet
  4. größere Goldkrümel
  5. Aufgeschmolzene und zu Kugeln gegossene Flitter
  6. Großer Goldnugget aus Neuseeland
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Diese aufgeschmolzenen Kügelchen haben eine hohe Reinheit und in etwa das Gewicht eines Ringes.

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Zu den verborgenen Lagerstätten tief im Dschungel

Gebrieft ziehen wir nun endlich los zu den Lagerstätten. Da hat er bestimmt ein paar geheime Orte, an welchen mit Gold gerechnet werden kann. Weit gefehlt, denn Gold findet sich überall im Rheinsand! „Zwei Gramm pro Tonne“ sein das hier auf badischer Seite. Da ich mir jetzt nicht genau vorstellen kann, ob das nun viel sei, lacht Herr Leopold: „Ab sechs Gramm werden sie unruhig!“.

Das heißt aber dennoch: Überall, wo Rheinsand ist, ist auch Gold mit drin. Direkt unter unseren Füßen in der Karlsruher Innenstadt , im Beton und Kalkmörtel unserer Gebäude und Autobahnen oder auch am Strand der umliegenden Baggerseen . Das glaubt ihr nicht? Ich hab‘s ausprobiert: An der ersten Stelle, wo wir einer kleinen anstehenden Sandfläche entlang unseres Pfades begegneten, haben wir geschwind drei bis vier kleine Schäufelchen Sand gewaschen (später noch mehr dazu). Und siehe da: Im Gegenlicht blitzen uns in der dunklen Waschpfanne die ersten Goldflitter entgegen. „20-30“ seien es im Schnitt pro Pfanne, ich bin aber schon froh, meine vier gefunden zu haben. „Das ist das Schöne an diesen Seminaren. Mit Funden ist garantiert zu rechnen, es geht keiner enttäuscht nach Hause. Daher eignen sie sich auch insbesondere zur Teambildung.“.

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Man muss schon sehr genau hinsehen

Das eigene Gold waschen

Den Prozess des Goldwaschens erklärt mir Herr Leopold an einem Steg. Hierher führt er auch seine Gruppen. An einem nahe gelegenen Bombenkrater lässt sich nämlich besonders gut Sand schaufeln (natürlich genehmigt von der zuständigen Behörde), welcher dann am Gewässer ausgespült wird.

Das Prinzip ist ganz einfach: Es wird der Effekt ausgenutzt, dass Sand als Wirbel in bewegtem Wasser eine Zeit lang aufschwimmt, das schwere Gold jedoch schnell zu Boden sinkt. Das liegt an den unterschiedlichen Dichten der Materialien. Während Quarzsand mit etwa 1,5 Tonnen pro Kubikmeter noch recht ähnlich zum Wasser mit einer Tonne pro Kubikmeter gelten kann, ist Gold mit knapp 20 Tonnen pro Kubikmeter deutlich schwerer.
Beim eigentlichen Waschvorgang geht es nun darum, den Sand möglichst effizient mit dem Wasser zu bewegen, um immer höhere Goldkonzentrationen zu erreichen und den Rest abzuscheiden. Das erreicht man durch unterschiedliche Gerätschaften wie einem Waschbrett (nach Acricolas „De re metallica“) oder dem – sicherlich einigen noch geläufigen – Waschteller. Beim praktischen Anfassen findet man nach und nach die richtigen Techniken heraus und Herr Leopold steht immer gern mit seinem großen Erfahrungsschatz zur Seite. Sobald sich eine feinkörnige, dunkle Fraktion, der sog. Schwermineralsand (bestehend unter anderem aus Magnetit, Ilmenit, Chromit und eben auch Gold) abzeichnet, ist man aber tendenziell auf einem guten Weg. Irgendwann kann man dann die Goldpünktchen im Wasser erkennen und mit einer Pipette absaugen.

Off Topic und Outtakes

Übrigens ist der See ein Kleinod in Sachen Artenvielfalt: Wir werden von einer Vielzahl von Libellen umschwirrt und überall hüpfen kleine und große Frösche herum. So zahlreich findet man sie an keinem Badesee!

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Teichfrosch (Rana esculenta)

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Nebenbei empfiehlt es sich, die Waschpfanne sich nicht über die Hose zu schütten, ansonsten wird’s später in der Innenstadt peinlich… naja, trocknet ja wieder.

Gummistiefel braucht es übrigens auch nicht wirklich, Barfuß + Handtuch ist wahrscheinlich angenehmer als den ganzen Nachmittag mit warmem Wasser im Schuh herum zu waten ^^

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Die reiche Beute

Beim Abschied dann darf ich sogar meine Ampulle mit dem gesammelten Goldflittern behalten. Wert: Geschätzt ca. 8.000 €! Nicht schlecht für ein paar Schaufeln Sand, oder?!
Naja, vielleicht haben wir auch ein wenig geschummelt fürs Foto…
Bis sich eine Anschaffung von knapp 100€ für das Equipment für eine Person wirklich lohnt, muss man schon ordentlich Sand schaufeln. Die Kurse von Herrn Leopold sind da deutlich preiswerter und außerdem hat man einen erfahrenen Experten an seiner Seite.
Ich kann das Erlebnis nur wärmstens empfehlen, insbesondere für Schulklassen und Jugendgruppen!

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Kann man auch kaufen: Glitter aus echtem Gold