Hörst du nicht die Glocke...

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von Stephanie

Am Freitag, den ersten Dezember mache ich mich auf in Richtung Karlsruher Schloss, denn ein spektakulärer Glockenguss der Glockengießerei Bachert ist angekündigt.

Die Glockengießerei Bachert aus Karlsruhe ist ein Traditionsbetrieb seit 1725.  Immer schon wollte ich die Glockengießerei einmal persönlich besuchen und mehr über dieses interessante alte Handwerk erfahren.  Aber wie das immer so ist…  Und leider ist der geplante Glockenguss am heutigen Freitag auch der letzte, der hier am Standort Karlsruhe stattfindet, denn die Firma Bachert zieht nach Neunkirchen/Baden im Neckar-Odenwald-Kreis um.

Als ich ankomme, sind schon viele hundert Leute vor unserem schönen Schloss versammelt und ein großer Bläserchor untermalt musikalisch die Atmosphäre. Es wird immer voller und ich bin froh einen guten Platz ergattert zu haben.  Alles ist vorbereitet.  Die fleißigen Handwerker der Firma „Edelstahl und Rosswag“ produzieren gerade den Klöppel für die Ökumeneglocke, die gleich gegossen werden soll. 

Später darf ich diesen Klöppel sogar mal in die Hand nehmen, bzw. in beide Hände, denn er wiegt immerhin stolze 13kg.

Die Chefin der Glockengießerei Bachert erklärt dem Publikum die einzelnen Produktionsschritte, auch anhand projizierten Filmmaterials. So wurde bereits eine „Schablone“ produziert, diese soll später dann „zerschlagen“ werden.  Das Künstlerehepaar Barbara Jäger und Omi Riesterer sind auch vor Ort. Sie haben sich um die künstlerische Gestaltung der Ökumeneglocke gekümmert.

Auf einer großen Leinwand kommt auch Seniorchef Albert Bachert ins Bild und erklärt viel Interessantes zu Historie, aber eben auch zur Produktion allgemein.

Die Firma Bachert hat übrigens schon viele berühmte Glocken weltweit produziert, exemplarisch sei jetzt die Glocke für die Dresdner Frauenkirche genannt. Oder natürlich hier in Karlsruhe die Glocke in der Christuskirche am Mühlburger Tor.  Diese sogenannte „Friedensglocke“ wurde 2004 in den Glockenturm „installiert“.  Sie hat den Schlagton f0 und ein Gewicht von 9.160kg.  Jeden Mittag um 12h ertönt die Glocke und erinnert an die Bedeutung von Frieden und lädt zum Innehalten ein.

Unweigerlich muss ich zurückdenken an die Europäischen Glockentage, die auch 2004 in Karlsruhe stattfanden. Bei dem „Glockenpapst“ Kurt Kramer habe ich damals an einer interessanten Führung teilgenommen. Unter anderem durften wir direkt in den Glockenturm der St. Stephan-Kirche.

Der Glockenguss heute soll nun der Start der bundesweiten Glockenkampagne „Hörst du nicht die Glocke“ sein. In diesem Pressebericht könnt Ihr dazu mehr lesen. Diese Ökumeneglocke läutet im wahrsten Sinne des Wortes die Kampagne für 2018 ein im sog. Kultur-Erbejahr.

Der Glocken-Finder – Hörst du nicht die Glocken?

Wie klingen die Glocken in „meinem“ Dorf oder Stadtteil? Der im Aufbau befindliche Glocken-Finder wird als zukünftiges Online-Angebot nicht nur Glocken läuten lassen, sondern auch noch weitere interessante Informationen zu diesen Klangwundern mit jahrtausendealter Tradition geben – zu den Geläuten und ihrem Standort, sowie zu den Gebäuden, in denen sie untergebracht sind.

Als Projekt im Europäischen Kultur-Erbejahr ECHY2018 tragen Jugendgruppen die Informationen und Klänge zu den Glocken in ihrer Heimat zusammen, aber auch andere Interessierte können diese Daten sammeln und über unseren Webmaster mit allen teilen. Diese Gruppen können neben kirchlichen Gruppen auch Sport- oder Musikvereine, Pfadfindergruppen, Schulgruppen, weitere Freizeitgruppen etc. sein. Inzwischen beinhaltet die digitale Klanglandkarte bereits 1000 Glockenklänge bundesweit und es werden immer mehr.

Langsam wird es nun wirklich frisch, meine Füße werden eiskalt - das Feuer des Ofens ist doch etwas zu weit weg. Wir singen weihnachtliche Lieder, begleitet von einem riesigen Bläserchor, der sich auf den Stufen des Badischen Landesmuseums platziert hat.  Natürlich alles Lieder mit Bezug zur Glocke: Jingle Bells, Süßer die Glocken und noch einige mehr…

Gemeinsames Singen

Im Kanon stimmen wir auch ein in das international bekannte Lied „Hörst du nicht die Glocken“, (Melodie: Bruder Jakob).

Natürlich darf auch das Vortragen aus Schillers „Glocke“ nicht fehlen. Hier ein kleiner Auszug:

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch, Gesellen! seyd zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben!
Doch der Segen kommt von oben.

Schöne Impulse der evangelischen und katholischen Dekane aus Mannheim und ein gemeinsames Gebet lassen eine feierliche Stimmung aufkommen. Alles in allem ist die Veranstaltung sehr informativ, andächtig und musikalisch.

Doch der Glockenguss verzögert sich immer mehr und zur Enttäuschung des Publikums muss Frau Bachert leider verkünden, dass aufgrund technischer Probleme der Ofen nicht heiß genug wurde für den Glockenguss. Die benötigte Temperatur von 1.100 Grad wurde nicht erreicht.  Die Hauptbestandteile Zinn und Kupfer wurden damit nicht genug flüssig. Später gelingt mir noch ein Foto direkt von oben in den Ofen.

Hinhören und Innehalten

Das ist natürlich sehr schade, die Leute haben teilweise stundenlang gewartet und viele kamen mit Bussen extra aus Mannheim.  Die Glocke ist nämlich als Ökumeneglocke für eine Mannheimer Kirche gedacht. Auch unser Oberbürgermeister bedauert vor Ort nochmal, dass der Höhepunkt nun leider nicht geklappt hat. Scherzhaft meint er aber, dass es besser ist, dass die Glocke nun bei funktionierendem Ofen in der Glockengießerei Bachert gegossen wird. Das stimmt natürlich.

Alles in allem hat sich der Besuch für mich trotz des fehlenden Höhepunktes mit dem Glockenguss auf jeden Fall gelohnt und ich werde noch aufmerksamer hören, wenn die Glocken läuten… Also einfach mal Hinhören, Innehalten, Pause machen

In diesem Sinne:  Hörst du nicht die Glocken…

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