Dammerstock – Wohnen 100: Lesung mit Menü

Dammerstockdammerstockdammerst….ertönt es mit etwas Fantasie für eine der Bewohnerinnen der gleichnamigen Siedlung, wenn die S-Bahn früh morgens an dem Zeilenbau vorbeirauscht. Das Rumpeln der Müllabfuhr, das Schnarchen der Nachbarn, der alternde, müde klingende Hund, lachende Kinder auf den sogenannten Abstandsflächen: diese und andere unzählige Geräusche können an jedem beliebigen Tag im Dammerstock wahrgenommen werden.

Die Karlsruher Siedlung, die Walter Gropius und Otto Haesler im Auftrag der Stadt entworfen haben, um der Wohnungsnot zu entgegnen, feiert 2019 ihren 90. Geburtstag. Anlass genug, sich mit den Plänen und Versprechen des Neuen Bauens aus heutiger Sicht auseinanderzusetzen und die Siedlung von innen zu betrachten. Die Kunst- und Architekturhistorikerin Nina Rind und die Dramaturgin Sarah Stührenberg bilden die Künstlerische Leitung des dokumentarischen Projekts Dammerstock – Wohnen 100 und gehen ins Gespräch mit den Bewohner*innen der Siedlung. Neben umfangreichen Videointerviews, die verschiedene Wohnerfahrungen festhalten, wurde ein zweitägiger Textworkshop durchgeführt, der es den Bewohner*innen erlaubte, fern der  Kameras ihr Zuhause zu reflektieren.

Oft auch als Jammerstock bezeichnet, haftet der Siedlung das Vorurteil an, die Wände seien so dünn, zwei Nachbar*innen könnten sich einen Nagel teilen und ein gutes Verhältnis untereinander sei allein aufgrund der akustischen Nähe unumgänglich. Gemeinsam mit der Dramaturgin Sarah Stührenberg und Studierenden der Hochschule für Gestaltung haben sich die Bewohnerinnen und Bewohner also auf die Suche gemacht: nach Tönen, Klängen, wohltuenden und störenden Geräuschen, nach Gemeinschaft, Freundschaft und akustischen Grenzen. Wie viel dringt von der Außenwelt in meine vier Wände und wie viel dringt von mir in die Privatssphäre der Anderen? Wie klingt so eine Architektur?

Über Interviews und Übungen sind sie ins Nachdenken gekommen, haben ihre akustischen Erinnerungen abgerufen, diese mit selbsterdachter Fiktion und dem Dadaisten Kurt Schwitters in eigenen Texten verwoben. Schwitters, der in seiner lyrischen Arbeit, insbesondere in seiner Lautpoesie Sprache auf ihre Tonalität reduzierte und mit seinen Ursonaten Klangkompositionen entwickelte, die auf den ersten Blick – oder Ton – vielleicht befremdlich wirken, steht in enger Verbindung mit der Karlsuher Siedlung.

Schwitters hat die Grafik und Typografie der Ausstellung gestaltet, mit der 1929 die Dammerstock-Siedlung erstmals der Karlsruher Bevölkerung zugänglich gemacht wurde. Unter dem Titel die gebrauchswohnung wurden die Vorschläge für ein neues Wohnen und Lebensgefühl präsentiert, wobei hier vor allem die Funktionalität des Neuen Bauens in den Vordergrund gerückt und von Schwitters in einem detaillierten Katalog dokumentiert wurde.

Doch neben der Funktionalität, neben der pragmatischen, minimalistischen Ausrichtung der Grundrisse stehen hier die Menschen im Mittelpunkt, die in den weißen Zeilen leben und diese von den Architekten gedachten Lösungen für optimierten Wohnraum täglich am eigenen Leib überprüfen.

In dem zweitägigen Workshop haben die Teilnehmenden Geräusche des Wohnens gesammelt, diese mit Aufnahmegeräten festgehalten. Das Zischen und Blubbern des Wasserkochers, das besondere Quietschen eines Stuhles, das Schwätzen der Dampfnudel, die Tonkulisse der Eisdiele, die schnellen Schritte auf der Treppe. Der Schreck, wenn in der ersten Nacht im neuen Zuhause das Husten des Nachbarn klingt, als käme es direkt aus dem eigenen Wohnzimmer. Ausgehend von dieser weit umfangreicheren Sammlung sind Texte entstanden, die im Rahmen der Karlsruher Literaturtage Anfang Oktober im Ersamus Restaurant – der ehemaligen Gaststätte zum Dammerstock – gelesen werden. Teils in ihrem Originalzustand belassen, teils miteinander und mit Kurt Schwitters Ursonaten collagiert, bieten die Texte einen Einblick in die Wohnerfahrungen der Bewohnerinnen und Bewohner aus akustischer Perspektive und laden das Publikum ein, bei einem mehrgängigen Menü aus regionalen Zutaten miteinander ins Gespräch zu kommen: Wie klingt Ihr Zuhause?

DAMMERSTOCK – WOHNEN 100

 

7.10.19            Lesung mit Menü // 18.00 Uhr //

                        Erasmus Restaurant, Nürnberger Str. 1, 76199 Karlsruhe //
                        Kosten 65 Euro/Person // Anmeldung unter dammerstock2019@gmail.com

 

 

 

Weitere Termine des Projekts

 

29.9.19            Präsentation der Videoarbeiten // 17.00 Uhr //

                        St. Franziskus Kirche, Rechts der Alb 28, 76135 Karlsruhe // Eintritt frei

 

25.10.19          Eröffnung der Ausstellung // 19.00 Uhr //

                        ZKM | Zentrum für Kunst und Medien  Karlsruhe,

                        Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe // Eintritt frei

 

26.10.19

- 1.12.19         Ausstellung // ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe,

                        Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe // Museumsbalkon // Eintritt frei

 

 

 

Künstlerische Leitung, Regie NINA RIND, SARAH STÜHRENBERG Künstlerische Mitarbeit,

Kamera, Schnitt MARKUS KIEFER Kamera FELIX DRÄGER Text MORITZ FRANK, STEFFEN REICHELT, SARAH STÜHRENBERG, BEWOHNERINNEN DER SIEDLUNG

 

 

In Kooperation mit der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

 

Mit Unterstützung von Kulturbüro Stadt Karlsruhe, Hardtwaldsiedlung eG, KTG Karlsruhe,

L-Bank, ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

 

Dank an

Badisches Staatstheater Karlsruhe

 

Alle Arbeiten des Projekts wurden produziert mit Hilfe des

Adam Seide Archivs, Bibliothek & Nachlass e.V.

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